Wie viele Zecken sind wirklich infiziert? Ansteckungsraten erklärt
Kurz gesagt: Die meisten Zecken sind gar nicht infiziert — und selbst eine infizierte Zecke überträgt den Erreger nicht garantiert. Wie hoch der Anteil betroffener Zecken tatsächlich ist, hängt stark von Region, Erreger und sogar vom Entwicklungsstadium der Zecke ab. Beim FSME-Virus liegt die Rate in Studien meist unter 1 Prozent, bei Borrelien deutlich höher, aber ebenfalls stark schwankend.
FSME-Virus in Zecken — meist unter 1 Prozent
Mehrere regionale Studien aus deutschen FSME-Risikogebieten zeigen: Auch dort, wo das Virus offiziell vorkommt, ist nur ein sehr kleiner Teil der Zecken tatsächlich infiziert.
- Rhein-Main-Gebiet (Hessen), 2009–2010: 0–0,2 % in Risikogebieten (3 von 3.947 untersuchten Zecken), 0 % in Nicht-Risikogebieten
- Niederbayern/Oberpfalz, 2010: im Schnitt 0,26 %, an den am stärksten betroffenen Einzelstandorten bis 2,86 %
- Odenwald (Crowdsourcing-Studie, 17.893 untersuchte Zecken): im Mittel 0,04 %, je nach Landkreis bis 0,12 %
Wichtig für das Verständnis: Ein „FSME-Risikogebiet" beschreibt, wo das Virus in der Zeckenpopulation vorkommt — nicht, wie hoch der Anteil infizierter Zecken dort ist. Auch innerhalb eines Risikogebiets bleibt der Großteil der Zecken virusfrei.
Borrelien in Zecken — häufiger, aber regional sehr unterschiedlich
Bei Borrelien (den Erregern der Lyme-Borreliose) liegen die gefundenen Raten deutlich höher als beim FSME-Virus, schwanken aber ebenfalls stark:
- Ältere Studie aus West-Berlin (1986): 2,5 % bei Nymphen, 10,2 % bei erwachsenen weiblichen Zecken, 5,3 % bei erwachsenen männlichen Zecken
- Bayerisches Landesamt für Gesundheit (LGL): nennt europäische Durchschnittswerte von etwa 10–20 % insgesamt — rund 20 % bei erwachsenen Zecken, 10 % bei Nymphen, 1 % bei Larven
In vielen Ratgebern kursiert eine Spanne von 5 bis 35 %, mit niedrigeren Werten im Norden Deutschlands und höheren im Süden und in der Mitte. Wichtiger Hinweis zur Einordnung: Diese breite Spanne lässt sich nicht auf eine einzelne, klar benannte Studie zurückführen — sie fasst mehrere Regionalstudien zusammen und sollte als grobe Orientierung verstanden werden, nicht als exakte, offiziell festgelegte Kennzahl.
Warum die genaue Zahl zweitrangig ist
Selbst bei den höchsten genannten Werten ist die Mehrheit der Zecken nicht infiziert — aber von außen lässt sich einer Zecke nicht ansehen, ob sie zu den wenigen infizierten gehört. Deshalb lohnt es sich, jede Zecke gleich zu behandeln: schnell und richtig entfernen. Das Übertragungsrisiko steigt zudem mit der Zeit, die eine Zecke saugt — schnelles Handeln senkt das Risiko unabhängig von der Infektionsrate in deiner Region. Die Anleitung dazu: „Zecke richtig entfernen".
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Zecken-Check startenQuellen
- Studie Rhein-Main-Gebiet: PubMed 23415373
- Studie Niederbayern/Oberpfalz: PubMed 31983627
- Odenwald-Studie: Parasites & Vectors 13, 250 (2020)
- Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL): Angaben zur Borreliose-Epidemiologie
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei einem Zeckenstich mit Beschwerden oder Unsicherheit ärztlichen Rat einholen.