Zeckenarten in Deutschland: Holzbock, Auwaldzecke & Co. erkennen

TickSpot Ratgeber · August 2026

Kurz gesagt: In Deutschland gibt es mehrere Zeckenarten, aber eine davon macht die allermeisten Stiche beim Menschen aus: der Gemeine Holzbock. Die anderen Arten sind entweder selten, stechen bevorzugt Tiere — oder sind, wie die eingewanderte Hyalomma-Zecke, spektakulär, aber zahlenmäßig eine Randerscheinung.

Gemeiner Holzbock (Ixodes ricinus) — der Standardfall

Laut Robert Koch-Institut die häufigste Zeckenart in Deutschland. Wenn du eine Zecke an dir findest, ist es mit großer Wahrscheinlichkeit diese. Erwachsene Weibchen haben einen rotbraunen Hinterleib mit dunklem Schild vorn, Nymphen sind nur ein bis zwei Millimeter groß und dadurch besonders leicht zu übersehen — genau deshalb sind sie für die meisten Infektionen verantwortlich.

Überträgt: Borrelien (Lyme-Borreliose) und das FSME-Virus, außerdem Anaplasmen, Babesien, Rickettsien und den Erreger der Tularämie. Der Holzbock ist damit die Art, um die es in den meisten Ratgebern — auch in unseren — geht.

Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) — die Gemusterte

Am auffälligsten Merkmal gut zu erkennen: Ihr Rückenschild ist marmoriert bzw. hell gemustert, nicht einfarbig dunkel wie beim Holzbock. Sie ist zudem etwas größer und breitet sich in Deutschland spürbar aus — sie kommt inzwischen in weiten Teilen des Landes vor, mit Schwerpunkten am Oberrhein, im Saarland und in Brandenburg; im hohen Norden ist sie seltener.

Überträgt: vor allem Babesia canis, den Erreger der Hundebabesiose („Hundemalaria"). Für Hundehalter ist sie damit die relevanteste Art — siehe „Können Zecken Krankheiten auf Hund und Katze übertragen?". Menschen sticht sie nur selten. Ob sie auch FSME auf Menschen überträgt, wird zwar gelegentlich behauptet, ist aber nicht belastbar belegt — wir führen sie hier deshalb nicht als FSME-Überträger.

Igelzecke (Ixodes hexagonus) — die Nestbewohnerin

Unvollgesogen etwa 3,5 bis 4,5 Millimeter groß und dem Holzbock äußerlich ähnlich. Sie lebt vor allem in den Nestern und Bauen ihrer Wirte — Igel, Füchse, aber auch Hunde und Katzen — und ist vermutlich bundesweit verbreitet. Menschen sticht sie eher selten, sie kann aber Borrelien in sich tragen. Wer einen Igel im Garten hat oder ein Haustier, das in Hecken und Unterholz unterwegs ist, begegnet ihr am ehesten.

Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) — die Reisemitbringsel-Zecke

Ursprünglich im Mittelmeerraum zu Hause und in aller Regel von Reisen mit dem Hund eingeschleppt. Ihre Besonderheit macht sie zum Sonderfall unter allen hier genannten Arten: Sie kommt mit trockener Luft zurecht und ist deshalb die einzige Art, die sich in beheizten Wohnungen dauerhaft ansiedeln kann — mehr dazu in „Können Zecken in der Wohnung überleben?".

Überträgt beim Hund unter anderem Ehrlichien, Babesien und Hepatozoon.

Hyalomma — die große Eingewanderte

Die Art, die regelmäßig durch die Presse geht: deutlich größer als heimische Zecken (vollgesogen bis etwa zwei Zentimeter), mit auffällig gestreiften Beinen. Sie hat Augen und verhält sich anders als der Holzbock — statt abzuwarten, verfolgt sie ihren Wirt aktiv über mehrere Meter.

Sie kommt als Nymphe auf Zugvögeln nach Deutschland. Ein Citizen-Science-Projekt der Universität Hohenheim („Projekt Tropenzecken") sammelte zwischen Februar 2019 und Dezember 2021 rund 8.100 eingesendete Zecken — darunter 202 Hyalomma-Exemplare; 2018 waren es 35 gewesen. Rund 30 Prozent der untersuchten Tiere trugen Rickettsia aeschlimannii, einen Erreger des Zeckenbissfiebers.

Einordnung, damit die Zahl nicht falsch wirkt: 202 Funde in drei Jahren sind wenig, gemessen an Millionen von Zeckenstichen. Auffällige Exemplare werden zudem viel eher eingeschickt als gewöhnliche Holzböcke — die Zusammensetzung solcher Einsendungen sagt deshalb nichts darüber aus, wie häufig eine Art tatsächlich ist. Hyalomma ist ein beobachtenswerter Trend, aber kein Grund, den normalen Zecken-Check anders zu machen.

Was das für dich praktisch bedeutet

Für den Alltag musst du keine Zeckenarten bestimmen können. Die Handlungsempfehlung ist bei allen Arten identisch: zügig und richtig entfernen, Stichstelle beobachten. Interessant wird die Art erst in zwei Fällen — bei einer ungewöhnlich großen Zecke mit gestreiften Beinen (Hyalomma, gern der Uni Hohenheim melden) und bei Hunden, wo die Auwaldzecke wegen der Babesiose eine Rolle spielt.

Womit du die winzigen Nymphen des Holzbocks überhaupt erst findest — dem Fall, der praktisch immer zutrifft — steht in „Zecken sofort erkennen: der Trick mit invertierten Farben".

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Quellen

Hinweis: Dieser Artikel bietet allgemeine Informationen und ersetzt keine medizinische oder tierärztliche Beratung. Eine sichere Artbestimmung ist nur durch Fachleute möglich.