Können Zecken Krankheiten auf Hund und Katze übertragen?
Kurz gesagt: Ja — auch Haustiere sind gefährdet, allerdings sind die relevanten Krankheiten teils andere als beim Menschen. Manche kommen in Deutschland tatsächlich vor, andere werden fast ausschließlich von Auslandsreisen mitgebracht. Belastbare Fallzahlen wie bei FSME gibt es für Haustiere allerdings nicht — dazu unten mehr.
Diese Krankheiten kommen in Deutschland tatsächlich vor
- Anaplasmose (Anaplasma phagocytophilum): wird vom Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus) übertragen — demselben Zeckentyp, der auch beim Menschen Borreliose und FSME überträgt. In Deutschland verbreitet vorkommend.
- Hundemalaria / Babesiose (Babesia canis): wird von der Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) übertragen. In Deutschland nachgewiesen, historisch vor allem im Osten (Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt) und Südwesten (Saarland, Baden-Württemberg) verbreitet, mit zunehmender Ausbreitungstendenz. Eine bayerische Studie fand nur 1 von 301 untersuchten Zecken infiziert (0,3 %) — deutlich niedriger als etwa in Ungarn (8,2 %) oder Serbien (20,8 %).
- Lyme-Borreliose: Hunde kommen über denselben Überträger wie Menschen mit Borrelien in Kontakt, eine klinische Erkrankung ist bei Hunden aber vergleichsweise selten, auch wenn der reine Erregerkontakt häufiger vorkommt.
Diese Krankheit wird meist nur von Reisen mitgebracht
Ehrlichiose (Ehrlichia canis) wird von der Braunen Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) übertragen — dieser Zeckentyp ist in Deutschlands Klima bisher nicht etabliert. Fälle bei Hunden hierzulande sind daher praktisch immer reiseassoziiert, meist aus dem Mittelmeerraum, nicht hier erworben. Nach einer Reise mit dem Hund in südliche Länder lohnt es sich trotzdem, auf entsprechende Symptome zu achten und dies beim Tierarztbesuch zu erwähnen.
Warum es keine Fallzahlen wie bei FSME gibt
Beim Menschen ist FSME bundesweit meldepflichtig, weshalb das RKI eine lückenlose Jahresstatistik führt (siehe „Zeckenkrankheiten in Deutschland: FSME- und Borreliose-Fallzahlen"). Für Zeckenkrankheiten bei Haustieren existiert keine vergleichbare zentrale, bundesweite Erfassung — es gibt also schlicht keine offizielle Zahl dazu, wie viele Hunde oder Katzen pro Jahr in Deutschland an einer zeckenübertragenen Krankheit erkranken. Wir nennen hier deshalb bewusst keine erfundene Schätzung.
Was das für den Zecken-Check bedeutet
Ohne exakte Zahlen bleibt die praktische Konsequenz dieselbe: Zecken bei Hund und Katze nach jedem Aufenthalt im Grünen zügig finden und entfernen, unabhängig davon, wie hoch das statistische Risiko gerade ist. Die passende Routine dafür steht in „Hund und Katze nach Zecken absuchen" und „Zecken finden bei Hunden".
Der Fell-Check dauert eine Minute: TickSpot macht Zecken im Fell sichtbar — kostenlos, ohne Anmeldung.
Fell-Check startenQuellen
- ESCCAP Deutschland: Empfehlungen zu vektorübertragenen Erkrankungen
- Bayerische Feldstudie zu Babesia canis in Zecken: Pathogens 9(7):541 (2020)
- Robert Koch-Institut: FAQ Zecken
Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Symptomen, unklarem Verhalten oder nach einer Reise mit dem Haustier ins Ausland tierärztlichen Rat einholen.